– Referenzen –

“Drei Tage Wach”

Arme Leute (von heute)

Interaktives Online-Theater nach Fjodor M. Dostojewski

Sie wohnen in der gleichen Straße eines Armenviertels und korrespondieren nur mittels Briefen. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Stattdessen begründete dieses Sujet die Karriere von Fjodor Dostojewski, der mit „Arme Leute“ schlagartig an Bekanntheit gewann, weil der außergewöhnliche Briefroman dem einfachen Volk aus dem Herzen sprach. Statt Beschönigung ungenierte Seelenschau in poetischer Sprache.

Das Theater der Mitte nimmt sich dieses Stoffes mit „Arme Leute (von heute)” an und inszeniert es als immersives Hybrid-Theaterstück. Das Onlinepublikum darf entscheiden, was das Publikum vor Ort sieht. Gleichzeitig kann das Publikum vor Ort wählen, ob es das Geschehen auf der Bühne mitverfolgt oder lieber auf den Bildschirm blickt. Denn dort läuft der live geschnittene Stream für das Online-Publikum.

Genau wie sein berühmtes Vorbild transportiert das Spiel demokratische Prozesse und moralische Dilemmata ins Hier und Jetzt. Es entsteht ein gesellschaftskritisches Biotop, in dem das Publikum die Charaktere wie unter einem Mikroskop beäugen und zugleich ihr Schicksal steuern kann. Als Mittel dienen verschieden kombinierbare Szenen und interaktive Perspektivenwechsel. „Arme Leute (von heute)“ ist ein Crossover aus den verschiedensten Elementen und definiert Armut neu.

Premiere 31. März 2022 – ARGEkultur Salzburg

Die Entführung des Thomas G.

Die Biografie von Thomas Gratt und seine Beteiligung an der Entführung von Walter Palmers dient als Ansatzpunkt, um gesellschaftspolitische Bewegungen zu hinterfragen, in denen gewaltsamer Widerstand als berechtigte Antwort auf eine perspektivlos empfundene Normalität verstanden wird und Revolutionäre zu Pop-Ikonen stilisiert werden.

Die Entführung des Thomas G. ist eine assoziative Revue. Die Frage nach dem guten Leben, einem richtigen im falschen, einem falschen im richtigen wird verhandelt und unter immer neuen Gesichtspunkten beleuchtet. So gelingt spielerisch der Bogen vom Damals zum Heute, zur Frage, wo die Linke heute ist und was sie mit Damals verbindet. Wie kann man leben, wenn man erkannt hat, dass so vieles nicht ist, wie es sein sollte? Wie lässt sich ein Lebenslüge rechtfertigen, vor allem vor sich selbst? Was ist gut und böse?

Thomas Gratt wurde im Frühsommer 1977 Mitglied der Bewegung 2. Juni und ging in die Illegalität. Er beteiligte sich an der Entführung des österreichischen Unternehmers Walter Palmers am 8. November 1977 und wurde zusammen mit einem Mittäter am 23. November in Chiasso an der italienischen Grenze auf der Flucht festgenommen. Im Februar 1979 übernahm Gratt im Wiener Strafprozess im Namen der Bewegung 2. Juni die Verantwortung. Er wurde wegen räuberischer Erpressung zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt, von denen er dreizehn Jahre verbüßte. Er stellte kein Gnadengesuch. 

Premiere 26. Februar 2022 Theater Kosmos Bregenz

Die Geschichte von den Pandabären

Eine surreale Liebesgeschichte, ein reizvolles, poetisches Drama über das Wachsen einer Beziehung zwischen Alltag und Traumwelt.

Die Frau und der Mann, die eines Morgens gemeinsam in seinem Bett erwachen, sind sich fremd. Neun weitere Nächte folgen, in denen sie zueinander finden. Doch je vertrauter sie sich werden, desto fremder werden sie dem Publikum. In ihrer gemeinsam erschaffenen Sprache durchqueren sie die Räume ihrer Zweisamkeit, die sich auch in Form eigentümlicher Gegenstände auf der Bühne zu materialisieren beginnen. Bald aber entkörperlichen sich die Liebenden und steigen auf zum mutigen Flug; gestaltlos finden sie zur absoluten Vereinigung. Was sie hinterlassen, ist eine eindringliche Poesie der Bilder.

Der rumänische Autor Matéï Visniec gehört zu den meist gespielten Dramatikern seit dem Sturz des Ceausescu-Regimes. Seine Theaterstücke, die politisch geprägt sind, erfahren einen Wandel. Heute will Visniec „über die widernatürlichen Verhältnisse zwischen Mensch und Tod, Mensch und Unsterblichkeit, Mensch und Liebe, Mensch und Einsamkeit“ schreiben.

Premiere: 17. Juni 2021, Teatrul National Radu Stanca, Sibiu
Produktion: Theater ecce